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Interview mit Sibylle Wälchli

Frau Wälchli, Sie sind ein Job-Coach – was braucht man, um diesen Beruf auszuüben?

Es braucht Fachwissen im Bereich sozialer Arbeit und in der Berufsbildung, speziell aber das Knowhow, wie Arbeitsintegration funktioniert. Ausserdem ist Freude am Netzwerken und Kommunizieren eine wichtige Voraussetzung. Von Vorteil sind zudem Erfahrung mit Jugendlichen und gute Kenntnisse im Bereich Sozial- und Invalidenversicherung. Und es braucht ein positives Menschenbild sowie Offenheit gegenüber speziellen Lebensläufen und anderen Kulturen.

Als Job-Coach bei Oeko Service kommen Jugendliche zu Ihnen, die den ersten Schritt aus einem geschützten Umfeld in den regulären Arbeitsmarkt machen möchten. Wie bringen Sie diese mit den Firmen zusammen, die Ausbildungspraktika anbieten?

Wenn eine Firma freie Praktikumsplätze hat, wir aber noch nie zusammengearbeitet haben, gehe ich erst einmal alleine vorbei, damit wir uns kennenlernen können. Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig. Dann besprechen wir alles in Ruhe.

Welche Arbeitsbereiche sind für die Lernenden, welche die Oeko ServiceGmbH vermittelt, optimal?

In Frage kommen Aufgaben in der Reinigung, im Gartenbau oder -unterhalt, in der Hauswartung, im Gebiet Zweirad-Mechanik und im Kaufmännischen Bereich. Optimal ist ein Betrieb mit einer überschaubaren Grösse.

Was erwarten Sie von den Firmen, die mit Oeko Service zusammenarbeiten möchten?

Es ist wichtig, dass es während des ganzen Praktikums genügend sinnvolle Arbeit gibt. Die Jugendlichen möchten eine echte Chance, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis erproben und weiterentwickeln zu können. Darüber hinaus haben wir nur noch eine Anforderung: Ein ehrliches Auswertungsgespräch am Arbeitsort nach dem Praktikum muss möglich sein. Kennen wir die Firma schon länger, ist auch ein schriftliches Feedback möglich. 

Was bietet der ideale Praktikumsplatz den Jugendlichen?

Eine einzige oder einige wenige Bezugspersonen erleichtern die Orientierung. Ein verständnisvolles, wohlwollendes Umfeld trägt zum guten Gelingen des Praktikums bei. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Lernenden, um ein Praktikum zu absolvieren?

Manchmal passt es bereits im ersten Lehrjahr, idealerweise ab dem zweiten Lehrjahr. . Da können sie bereits zeigen, was sie gelernt haben.

Wie lange dauert ein Praktikum sinnvollerweise?

Mindestens zwei bis drei Wochen. Inzwischen bieten jedoch bereits zwei unserer Partner-Betriebe zwei- bis dreimonatige Praktika an. So lohnt sich die Einarbeitungszeit wirklich und die Lernenden haben genug Zeit, ihr Wissen und Können auch anzuwenden.

Wer übernimmt allfällige Kosten?

Es entstehen keine zusätzlichen Kosten für die Firmen, es ist alles abgedeckt: Die Versicherung läuft über den Lehrvertrag und die Jugendlichen erhalten auch keine zusätzliche Entschädigung für das Praktikum, da sie ja einen Monatslohn haben

Was dürfen Firmen von den Lernenden erwarten?

Die Jugendlichen können nach der Einarbeitung gewisse Routine-Arbeiten selbständig übernehmen und so das Personal entlasten. Ganz grundsätzlich sind sie eine Bereicherung des Teams: Sie bringen zwei kräftige Arme sowie jugendliche Energie und frischen Wind ins Unternehmen. 

Gibt es spezielle Herausforderungen beim Wechsel vom geschützten in den ersten Arbeitsmarkt?

Vielleicht hat ein Jugendlicher Mühe mit der Selbständigkeit. Dann ist es wichtig, dass er im Praktikum ein- oder zweimal pro Woche eine Arbeit selbständig ausführen kann.

Was sind mögliche Herausforderungen für die Jugendlichen in einem Praktikum?

Sie müssen lernen, sich den Rahmenbedingungen der Arbeitgeber anzupassen. Wenn der Betrieb beispielsweise zwei Stunden Mittagspause vorschreibt, dann ist das halt so und die Jugendlichen müssen am Abend eben etwas länger bleiben. 

Was wird bei den Jugendlichen bewertet?

Das Arbeitsverhalten, das Sozialverhalten und der allgemeine Auftritt. Es geht ja im Praktikum auch darum herauszufinden, ob der oder die Lernende sich im ersten Arbeitsmarkt bewähren kann. 

Was ist Ihre Aufgabe während des Praktikums?

Wenn’s gut läuft, muss ich gar nichts tun (lacht). Dies ist meistens der Fall, denn alles Wichtige wurde ja vor dem Praktikum bereits geklärt. Zum Schluss des Praktikums gehe ich zum vereinbarten Auswertungsgespräch im Betrieb vorbei.

Und wenn es trotzdem einmal nicht so rund läuft?

Wenn ich voraussehe, dass gewisse Fragen oder Probleme auftauchen könnten, nehme ich nach der ersten Woche sowohl mit dem Jugendlichen als auch mit dem Betrieb Kontakt auf. Dann besprechen wir, wie’s läuft und ob allenfalls etwas geändert werden müsste. Natürlich kann sich der Betrieb jederzeit auch von sich aus bei mir melden. Und sollte es einmal gar nicht funktionieren, kann ein Praktikum jederzeit abgebrochen werden. Doch dies war bisher kaum mal der Fall.

Wie erleben die Lernenden die Praktika?

Ein Ortswechsel ist für sie eine willkommene Abwechslung und Motivation. Auch weil sie wissen, dass die Erfahrung im ersten Arbeitsmarkt eine grosse Chance für sie ist. Dadurch kommen sie auf dem Weg zur Inklusion einen wichtigen Schritt weiter. Und natürlich stärkt es das Selbstvertrauen, zeigen zu können, was man gelernt hat und dafür geschätzt zu werden. Beispielsweise, wenn ein Jugendlicher dank seinem Reinigungs-Fachwissen selbständig arbeiten kann, der Hauswart dankbar für diese Entlastung ist und dies dem Jugendlichen auch so vermittelt.