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Maria Jastrzebska

«Mein wichtigstes Instrument ist das Zuhören.»

Interview mit Maria Jastrzebska, Stabstelle für Innovationsmanagement bei Oeko Service

Nach einem Soziologiestudium in Polen absolvierte Maria Jastrzebska an der FHNW in Olten ein Masterstudium in Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt soziale Innovation. Seither arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Seit September 2025 leitet sie zudem die Stabstelle Innovationsmanagement bei Oeko Service.

Wo kommen dir die besten Ideen?

Maria Jastrzebska: Meine besten Ideen entstehen meistens unterwegs – zum Beispiel im Zug oder beim Joggen. Häufig kommen sie mir auch beim Lesen oder im Austausch mit anderen Menschen, sei es in der Mittagspause in der Firma Oeko Service, bei privaten Treffen mit Freundinnen und Freunden, an wissenschaftlichen Konferenzen oder bei Praxistagungen.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?

Jastrzebska: Die Abwechslung: Kein Tag gleicht dem anderen. Ich arbeite sowohl selbstständig als auch in unterschiedlichen Teams. Zudem kann ich spannende Veranstaltungen besuchen oder selbst organisieren. Einerseits habe ich die Möglichkeit, mich zurückzuziehen, zu recherchieren und Berichte oder Konzepte zu verfassen. Andererseits bin ich regelmässig im Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen. Dabei lerne ich immer wieder neue Arbeitsfelder und Perspektiven kennen. Dieses kontinuierliche Lernen ist für mich das Spannendste an meinem Beruf.

Wieso wolltest du Innovationsmanagerin werden?

Jastrzebska: Ich wollte schon immer Wissenschaft und Praxis miteinander verbinden – noch bevor ich Soziale Arbeit studiert habe. Die Wissenschaft der Sozialen Arbeit gewinnt laufend neue Erkenntnisse über die soziale Realität und aktuelle gesellschaftliche Fragen. Diese Erkenntnisse sollten jedoch nicht als ungenutztes Potenzial in einer Schublade verschwinden. Sie sollten möglichst dazu beitragen, Veränderungen in der Praxis anzustossen – sei es im zivilgesellschaftlichen Engagement oder im beruflichen Umfeld.

Dieser Wunsch hat mich schliesslich zum Innovationsmanagement geführt. Hinzu kommt, dass ich schon seit meiner Gymnasialzeit immer wieder Verantwortung für Projekte und Veranstaltungen übernommen habe. Recherche allein reicht mir nicht: Ich möchte Ideen umsetzen, ausprobieren und sehen, was daraus entsteht. Sonst wird mir auf Dauer langweilig.

Was macht eine Innovationsmanagerin in einer Sozialfirma wie Oeko Service? Was ist hier anders?

Jastrzebska: Bei Oeko Service recherchiere ich, organisiere Workshops, entwickle und begleite Projekte und unterstütze die Mitarbeitenden und Lernende dabei, ihre eigenen Ideen einzubringen. Dafür steht ihnen unter anderem ein digitaler Ideenbriefkasten zur Verfügung.

Was Oeko Service von anderen Unternehmen unterscheidet, lässt sich ohne direkten Vergleich nur schwer sagen. Aus meiner Sicht ist vor allem die dezentrale Organisation besonders: Die einzelnen Betriebe und Standorte haben unterschiedliche Rahmenbedingungen für Neuerungen. Das macht meine Arbeit interessant, aber auch anspruchsvoll. Wird beispielsweise ein einheitliches Reglement eingeführt, muss dieses zugleich an die Gegebenheiten der einzelnen Betriebe angepasst werden.

Eine weitere Besonderheit ist die grosse Zahl an Lernenden. Sie sind junge Menschen, die unsere Zukunft mitgestalten werden. Deshalb finde ich den Austausch mit ihnen und ihre Perspektive auf Innovation besonders wichtig – nicht nur für Oeko Service, sondern für die Gesellschaft insgesamt.

Ausserdem versucht Oeko-Service, die drei Säulen der Nachhaltigkeit – den sozialen, den wirtschaftlichen und den ökologischen Aspekt – zu verbinden. So kann das Unternehmen verantwortungsvoll wirtschaften und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft leisten. Das tun nicht viele Unternehmen so dezidiert. Für meine Tätigkeit bedeutet das auch, dass ich immer die drei Ebenen im Blick haben muss.

Wie entstehen nachhaltige Innovationen?

Jastrzebska: Ein allgemeingültiges Rezept dafür kenne ich nicht. Meiner Erfahrung nach beginnt eine nachhaltige Innovation mit einem konkreten Bedarf: Es gibt ein Problem oder eine Herausforderung, die sich mit den bisherigen Mitteln nicht mehr angemessen bewältigen lässt.

Danach braucht es das Engagement und die bewusste Entscheidung, etwas zu verändern und dafür Verantwortung zu übernehmen. Das ist für mich der entscheidende Punkt: Ohne Verantwortungsübernahme geschieht nichts. Ebenso wichtig ist die Legitimation der Idee. Die Menschen, die von der geplanten Veränderung betroffen oder an ihr beteiligt sind, müssen sie mittragen. Sie sollten zudem bereit sein, bei Reibungen oder unerwarteten Entwicklungen immer wieder miteinander nach Lösungen zu suchen.

Und schliesslich braucht es auch ein wenig Glück. Wir können nie vollständig vorhersehen, ob sich eine Idee langfristig durchsetzt oder ob ein Geschäftsmodell auch morgen noch tragfähig sein wird.

Aus einer theoretischen Perspektive kann man von nachhaltiger sozialer Innovation sprechen, wenn soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte gleichermassen berücksichtigt werden. Dafür müssen wir Veränderungen in unserem Umfeld beobachten, analysieren und verstehen – und unser Handeln entsprechend ausrichten. So verstehen wir Innovation auch bei Oeko Service.

Was sind die grössten Herausforderungen in deinem neuen Job? Wo siehst du das grösste Innovationspotenzial bei Oeko Service?

Jastrzebska: Die grössten Herausforderungen sind zugleich das, was meinen Job besonders spannend macht: die unterschiedlichen Betriebe, die vielfältigen Anspruchsgruppen, meine Schnittstellenfunktion zwischen Geschäftsleitung und Betriebsleitungen sowie das breite Spektrum der zu bearbeitenden Themen. Dass kaum Routine entsteht, ist bereichernd, kann aber auch anspruchsvoll sein.

Die dezentrale Struktur von Oeko Service stellt bei der Umsetzung von Innovationen eine besondere Herausforderung dar. Gleichzeitig sehe ich genau darin das grösste Innovationspotenzial. Es gilt, die Vielfalt der Ideen und Arbeitsfelder zu nutzen, Synergien zu erkennen und die verschiedenen Standorte gezielt für die Vernetzung und den Austausch mit unseren Partnerinnen und Partnern einzusetzen.

Mit welchen Tools und Methoden arbeitest du?

Jastrzebska: Mein wichtigstes Instrument ist das Zuhören: Was brauchen die Mitarbeitenden, die Geschäftsführung, die Geschäftsleitung und die Lernenden? Wo sehen sie Bedarf für Veränderungen und neue Lösungen? Ausserdem lese ich zahlreiche Newsletter, von denen viele mein Vorgänger Roland Z’Rotz mir empfohlen hat. Gleichzeitig halte ich laufend Ausschau nach weiteren Informationsquellen. Ich besuche unterschiedliche Veranstaltungen, um mich zu vernetzen und herauszufinden, welche Themen wir gemeinsam mit welchen Partnerinnen und Partnern bearbeiten können. Dabei nutze ich auch mein Netzwerk und meine Kontakte zur Fachhochschule. So konnten wir beispielsweise unsere Website in Einfache Sprache übersetzen.

Methodisch greife ich auf verschiedene Ansätze und Instrumente zurück, die ich während meines Studiums kennengelernt habe. Ich übertrage sie jedoch nie eins zu eins auf die Praxis. Vielmehr dienen sie mir als Orientierungsmuster, mit denen ich Arbeitsprozesse strukturieren und verständlich kommunizieren kann. Zu den Ansätzen, die mich bei meiner Arbeit inspirieren, gehören beispielsweise der Praxis-Optimierungs-Zyklus, das Social Impact Model, das Design Thinking.

Vieles entsteht aber auf eklektische Weise: wie eine Collage aus den Ressourcen, Erfahrungen und Wissensbeständen, die ich und meine Kolleginnen und Kollegen mitbringen.

Was ist deine Vision für Oeko Service? Wo wird die Firma in fünf Jahren stehen?

Jastrzebska: In fünf Jahren ist die Oeko Service GmbH ein wichtiger Knotenpunkt für soziale und ökologische Nachhaltigkeit in Zürich Altstetten. Trotz unserer dezentralen Organisation haben wir die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen weiter gestärkt.

Wir leisten einen noch konsequenteren Beitrag zu verschiedenen Sustainable Development Goals der UNO-Agenda 2030 und können unsere gesellschaftliche und ökologische Wirkung systematisch erfassen. Möglicherweise haben wir bis dahin sogar einen weiteren nachhaltigen Betrieb aufgebaut. Welche Idee mir dabei konkret vorschwebt, verrate ich allerdings noch nicht – lassen Sie sich überraschen!

Quellen:

Daniel Gredig & Peter Sommerfeld (2010):
Von der Forschung in die Praxis: Forschungsbasierte Interventionsentwicklung in der Sozialen Arbeit. Praxisentwicklung als kooperative Wissensproduktion.
European Journal of Social Work, 14(1). https://doi.org/10.1080/13691457.2010.516624

Beat Uebelhart & Peter Zängl (Hrsg., 2013):
Praxisbuch zum Social-Impact-Modell. Nomos.

Tim Brown & Jocelyn Wyatt (2010):
Design Thinking for Social Innovation. Stanford Social Innovation Review, 8(1), S. 31–35.
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